Kapitel 1. Einführung

Seit ich mir ein bisschen Zeit genommen habe, mich in sed einzuarbeiten, hat dieses Tool mir sehr viele Aufgaben erleichtert. Es ist unglaublich, wie flexibel dieses Programm einsetzbar ist und welche komplexen Regeln man mit ein paar Zeichenkombinationen aufstellen kann, die für den Laien nur wie ein beliebiges Gekrösel von Hieroglyphen ausschauen. Außerdem macht es einfach Spaß, eigene Scripte zu erstellen oder die von anderen Leuten zu verstehen. Mit dieser Einführung will ich Lust auf sed machen und ich hoffe, dass die Einarbeitung in das Programm nicht zur Frust ausartet.

Über dieses Tutorium

Ich bin kein sed-Guru, deshalb könnte manches Problem sicher mit weniger Befehlen gelöst werden. Das ist aber nicht der Sinn dieser Einführung, die versucht, die Beispiele so nachvollziehbar wie nur möglich zu halten. Ich bin aber dankbar für jedes Feedback, für Anregungen, Kritik, Fehlermeldungen, Verbesserungsvorschläge und Blankoschecks. Sollte diese Einführung gefallen, dann sind auf der Seite https://www.tty1.net/say-thanks_de.html ein paar Ideen aufgelistet, um sich erkenntlich zu zeigen.

Die hier vorgestellten Scripte wurden in der Regel getestet, doch kann ich nicht ausschließen, dass sich doch hie und da einige Fehler eingeschlichen haben In diesem Fall bitte nicht meckern sondern melden. Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Einfach eine E-Mail an die auf der ersten Seite angegebene Adresse schicken und in der Betreff-Zeile 'sed-tutorium' unterbringen.

Neue Versionen dieses Dokumentes können von https://www.tty1.net/sed-tutorium_de.html bezogen werden. Der Quellcode ist nun auch auf GitHub gehostet.

Was ist sed

sed ist ein kleines aber feines UNIX Programm, um Texte zu verarbeiten. Es ist im Gegensatz zu gewöhnlichen Editoren nicht interaktiv; sed arbeitet eine Eingabedatei anhand vorher festgelegter Regeln ab und gibt das Ergebnis auf die Standard-Ausgabe aus. Das macht sed sehr nützlich, um eine große Anzahl von Dateien Script-gesteuert als Batch zu verarbeiten.

Ganz nebenbei lernt man durch die Beschäftigung mit sed eine ganze Menge über reguläre Ausdrücke (Regular Expressions), die grundlegenden Prinzipien von UNIX und einige kleine Tricks, welche in anderen Programmen wie vim sehr nützlich sind.

sed wurde 1973 oder 1974 von Lee E. McMahon geschrieben (mehr zur Geschichte der frühen UNIX-Kommandos im Netizens Netbook). Trotz seines Alters wird sed immer noch verwendet, da es ein weites Spektrum von einfachen bis sehr komplexen Aufgaben erledigen kann. Die Stärke von UNIX liegt zum Teil auch darin, dass es über kleine hochspezialisierte Tools verfügt, die miteinander kombiniert fast jede Aufgabe lösen können.

Der Name sed steht für Stream EDitor, was andeuten soll, dass das Programm kein Editor im gewöhnlichen Sinn ist, sondern Zeile für Zeile von einer Eingabedatei oder der Tastatur in einen Zwischenspeicher (pattern space) einliest wo sie nach den Anweisungen im Script bearbeitet werden. Anschließend wird der bearbeitete pattern space auf stdout (standard output, meistens der Bildschirm), ausgegeben. Die Quelldatei bleibt dabei unverändert.

Zur Verdeutlichung der Arbeitsweise von sed hier ein kleines Beispiel:

sed -e '/ignore/d'

Die Option -e erwirkt, dass sed das darauf folgende Argument als Script behandelt, und nicht etwa als Eingabedatei. Das eigentliche (an dieser Stelle nicht weiter erklärte) Script ist in einfachen Gänsefüßchen angegeben.

Anmerkung

Wird sed, wie im obigen Beispiel, ohne Angabe einer Eingabedatei aufgerufen, dann wird die Eingabe von stdin (in diesem Fall von der Tastatur) eingelesen. Zum Beenden des Programms drückt man ^D (CTRL und D) was unter UNIX für Dateiende steht. Unter Windows muss man ^Z gefolgt von <Enter> eingeben.

Wenn das Programm gestartet wird, können auf der Tastatur nun Zeichen eingegeben werden, und sobald das Zeilenende eingegeben wird, beginnt sed diese Zeile zu bearbeiten. In obigem Beispiel wird jede Zeile auf dem Bildschirm ausgegeben, es sei denn, sie enthält den String 'ignore'.

Das Programm

Bedingt durch die weite Verbreitung von sed gibt es eine Reihe von Implementationen, die sich in einigen Details unterscheiden. Dieses Tutorium versucht, sich so weit als möglich an die standardisierte Version von sed zu halten. Dem Autor liegt GNU sed vor, und alle Beispiele wurden damit getestet. Im Text wird aber jeweils darauf hingewiesen, wenn Erweiterungen verwendet werden. Auf Pements sedfaq findet sich eine erschöpfende Liste der verschiedenen sed-Implementationen und deren Unterschiede.

Eine gute herstellerunabhängige Dokumentation stellt die Open Group bereit.

Dokumentationen

Zu nennen ist natürlich die man-page zu sed, die aber eher erfahrenen Benutzern zu empfehlen ist. Ausführlicher und systematischer ist die info page zu sed. Damit sollte man nach der Lektüre dieser Einführung keine Probleme mehr haben.

Eine Sammlung interessanter Fragen rund um sed, inklusive vieler Scripte sowie eine nicht enden wollende Liste von weiterführenden Links findet man auf sed $HOME. Besonders hinweisen möchte ich auf die dort enthaltene sedfaq von Eric Pement. Das Tutorial von Carlos Jorge Duarte (do it with sed) ist sehr lesenswert, besonders wegen der vielen sehr gut dokumentierten und zum Teil trickreichen Scripte. Wer keine Dokumentation zu sed hat, findet in der Datei eine kurze aber durchaus brauchbare Referenz. Sehr gut ist auch u-sedit von Mike Arst, welches ein Tutorial und jede Menge Beispiele beinhaltet.

Spezifische Fragen (sofern nicht in den FAQs behandelt) kann man auch in den dafür zuständigen Newsgruppen stellen. Man bekommt dort meistens eine fundierte und ausführliche Antwort - eine treffende Beschreibung des Problems und die Befolgung der jeweiligen Netiquette seitens des Fragenden vorausgesetzt. Eine zuständige deutschsprachige Newsgruppe könnte beispielsweise news:de.comp.os.unix.shell sein.